Elektronik im Brettspiel und Anleitungen als Video
von Daniel Große am September 29th, 2008, 11:33 Uhr
Anhänger von Brettspielen kommen während der modell-hobby-spiel voll auf ihre Kosten. Zahlreiche Aussteller bringen ihre neuesten Entwicklungen mit und laden zum Mitspielen ein. Einer davon ist die Spiele-Offensive. Der Versandhandel im Internet wurde von Robert Letsch und Frank Noack gegründet. Wir besuchten die beiden in ihrem Büro in einem Gewerbegebiet in Merseburg.

Erzählt uns doch bitte zuerst, wie Ihr begonnen habt.
Frank Noack: Gegründet haben wir uns im Mai 2002. Seitdem betreiben wir den Versandhandel mit Gesellschaftsspielen. Angefangen haben wir bei Robert im Keller, auf etwa drei mal drei Metern. Bereits nach drei Monaten sind wir in eine große Halle gezogen. Im August 2006 erfolgte nochmals in Umzug an den jetzigen Standort mit 450 Quadratmetern Büro- und 1200 Quadratmetern Lagerfläche.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, einen Versandhandel für Gesellschaftsspiele zu gründen? Gab es damals Bedarf in dieser Hinsicht?
Robert Letsch: Eigentlich sind wir mit dem Anspruch gestartet, einen Trendshop zu etablieren. Frank ist Softwareentwickler und hatte gerade ein Shopsystem für einen Kunden programmiert. Dummerweise trat dieser vom Vertrag zurück. Also nutzten wir das entstandene System und bauten einen Shop auf, der aktuelle Spieletrends verkaufte. Unter anderem „Carcassonne“ und „Die Siedler von Catan“. Beide liefen super – der Rest nicht so. Also haben wir das Sortiment umgestellt und uns nur auf Gesellschaftsspiele orientiert. Was bis heute funktioniert.
Wie groß ist Euer Sortiment?
Frank Noack: Wir können mit Fug und Recht behaupten, das größte Sortiment an Brett- und Gesellschaftsspielen zu haben. Insgesamt sind es wohl um die 4000 Spiele. Dazu kommen bei der Puzzle-Offensive rund 3500 Puzzle-Motive. Dazu nochmal tausende Würfel bei der Würfel-Offensive und unseren anderen Spielzeug-Shops. In allen sechs Shops zusammen sind es um die 16.000 Artikel.
Wie wählt Ihr Euer Sortiment aus?
Frank Noack: Zuerst bedienen wir natürlich den Mainstream von den großen Verlagen. Das ist das, was die meisten Leute kennen. Dazu kommen die Klassiker wie Mühle, Dame, Schach, Mensch ärgere Dich nicht, die immer wieder bestellt werden. Und natürlich wollen wir auch die meist interessanten Entwicklungen der kleinen Verlage anbieten. Wir werden durch Weblogs oder Zeitungsberichte darauf aufmerksam und listen die Produkte ein. Manche Verlage treten auch direkt an uns heran. Insgesamt sind wir bemüht, alle Gesellschaftsspiele anzubieten, die es gibt.
Robert Letsch: Und im Puzzlebereich wollen wir vor allem Vielfalt. Das heißt, dass wir von einem Motiv nicht zehn Versionen anbieten, sondern dafür lieber viele verschiedene Bilder haben. Dazu gibt es im Würfelbereich bei uns nahezu alles, was man sich vorstellen kann. Achteckige Würfel, Farbwürfel, riesengroße oder ganz kleine und so weiter.
Worauf dürfen wir uns von Euch während der modell-hobby-spiel freuen?
Frank Noack: Auf der Messe haben wir unter anderem einen Stand, an dem wir Gesellschaftsspiele und Puzzle verkaufen. Darüber hinaus gibt es einen Stand mit Holzeisenbahnen. Das ist quasi unser neuestes Baby, erkennbar ein der großen Thomas-Lokomotive.
Spielt Ihr selbst gern?
Frank Noack: Ohja, auch wenn wir vielleicht nicht so fanatisch sind wie einige unsere Kunden (lacht). Aber wir kennen uns natürlich aus und betrachten die Spiele nicht nur aus den Zahlen heraus. Abgesehen von den Klassikern spielen wir immer wieder die neuen und interessanten Dinge. Unser Job hat dabei den Nachteil, dass man jedes Spiel nur ein- bis zweimal spielt. Was wir aber immer wieder rausholen sind die Siedler von Catan, Puerto Rico oder Phase 10.
Ihr betreibt ja auch Trendanalysen und seid so immer am Puls der Zeit. Wohin geht der Trend im Bereich der Brettspiele?
Frank Noack: Was man wirklich beobachten kann ist, dass die Elektronik auch am Spieltisch Einzug hält. Das aktuelle Kinderspiel des Jahres von Ravenburger „Wer war’s?“ ist fast schon ein Computer. Auch andere neue Spiele kommunizieren elektronisch mit den Spielern. Es gibt viele Puristen, die das kategorisch ablehnen, aber der Trend geht eindeutig dahin. Auch DVDs werden zunehmen eingesetzt. Ein Spielleiter auf dem Bildschirm erklärt, was zu tun ist. Und selbst bei Monopoly hat mittlerweile die EC-Karte mit entsprechendem Lesegerät Einzug gehalten.
Robert Letsch: An den Spielmechanismen selbst ändert sich aber kaum was. Spiele, die neue Ansätze bringen fristen oft zu unrecht ein Nischendasein. Bei Space Dealer beispielsweise musste mit Sanduhren die Rohstoffproduktion simuliert werden. Alle Spieler haben dabei gleichzeitig gespielt. Das war interessant, wurde aber kaum beachtet. Bei Polarity wurden die Abstoßungskräfte von Magneten genutzt. Auch das war kommerziell eher ein Flop. Dagegen war Khronos richtig erfolgreich. Hier wird mit dem Phänomen der Zeitreise gespielt. Das Spielfeld gibt es in drei verschiedenen Zeiten, was sich auf den Verlauf des gesamten Spieles auswirkt. Klingt kompliziert, ist aber erfolgreich.
Zurück zu den aktuellen Neuheiten: Wie kommen neue Spiele bei den Kunden an?
Frank Noack: Das Haupthemmnis sind die Spielregeln. Viele Leute haben Angst davor, sich ein Spiel zu kaufen und dann die Regeln nicht zu verstehen. Darum werden Brettspiele heute vor allem nach Empfehlungen verkauft, oder wenn man sie schon einmal selbst mitgespielt hat. Darum sind die Messen für uns so wichtig.
Robert Letsch: In Sachen Spielanleitung gibt es bei uns nun aber etwas Neues: Jeder Kunde erwirbt mit dem Kauf des Spieles das Recht, sich eine Anleitung auf Video anzusehen. Damit braucht niemand mehr Angst vor zu komplizierten Spielregeln haben. Die Videos produzieren wir in einem kleinen Studio selbst. Die Filme sind strukturiert aufgebaut, so dass man zu einer beliebigen Stelle wie Basiswissen, Tipps & Tricks oder Spielvarianten springen kann. Das wird sehr gut angenommen, wir haben sogar schon nur Videos verkauft, ohne das entsprechende Spiel dazu. Das zeigt uns, dass dafür Bedarf besteht.
Wir danken für das Gespräch. Viel Erfolg weiterhin und eine schöne Messe!

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