Kreative entdecken das Netz als Marktplatz – Interview mit Suse Bauer
von Thomas Gigold am September 19th, 2008, 13:41 Uhr

Suse Bauer ist eine von vielen Kreativen in Deutschland, die den Staub vom Image des heimelnden Kreativen entfernen. Die Berlinerin gestaltet außergewöhnliche Puppen und verkauft diese über das Internet. In Zeiten, in denen sich Menschen Produkte mit mehr Individualität wünschen und das Besondere Geschenk für ihr Kind suchen, tummeln sich zahlreiche Kreative im Internet und bieten ihre Werke an. Plattformen wie dawanda stellen dafür einen Marktplatz zur Verfügung, der handgefertigte Produkte und ihre Macher in den Mittelpunkt stellen.
Wir sprachen mit Suse Bauer über Ihre Ideen, ihre Puppen und den Marktplatz dawanda, auf dem sie ihre Werke verkauft.
Du bist Illustratorin und Grafikdesignerin. Wie bist Du dazu gekommen die am Computer gezeichneten Figuren auch in Form von Stoffpuppen zu verwirklichen?
Ich arbeite meine Illustrationen nicht nur am Computer, sondern auch ganz klassisch mit Stift und Papier – und Illustrationen dann zu Puppen zu verarbeiten war lediglich der Schritt in die Dreidimensionale. Der Schritt wurde allerdings letzten Endes durch meine Kinder veranlasst, die die meisten in den Läden angebotenen Puppen nicht gut fanden. Und ich mochte den Gedanken, dass die Kinder eine einmalige Lieblingspuppe haben, die es eben nicht noch eine Million mal aus der Massenproduktion zu kaufen gibt.
Zudem habe ich bei selbstgearbeiteten Sachen auch im Griff, woraus die Puppen bestehen – die Stoffe sind alle aus hochwertiger Produktion und zudem vorgewaschen – Gefahren durch Chemikalien werden also minimiert – und gefüllt werden die Tiere mit anti-allergener Puppen-Watte. Also ideal für Babys und Kleinkinder.
Die ersten Modelle hast Du für Deine Kinder gefertigt. Wann kam der Gedanke die Figuren auch zu verkaufen?
Seit 2 Jahren habe ich einen Blog, in dem ich über Familiengeschichten schreibe, nette Kinderbücher vorstelle, über schöne Kinder-Locations und
-Events in Berlin und alles mögliche berichte. Und dort stellte ich ganz einfach mal Fotos von den Sachen ein, die ich für die Osterdeko und meine Kinder genäht hatte (mit Stoff-Osterhäschen und
Monster, Hasen und Mädels begann es) und bekam eine umwerfende Resonanz von Blog-Lesern, viele, viele Mails von Leuten, die gerne solche Tiere bestellen und kaufen wollten.
Geplant war das so nicht.
Deine Figuren sind Piraten, freche kleine Monster oder süße Roboter.
Wie kommst Du auf Ideen für Deine Figuren?
Viele Ideen kommen durch die Geschichten, die meine Kinder mir oder ich meinen Kindern erzähle – und so spiegeln viele der RevoluzZza-Wesen vor allem die Interessen meines Sohnes wider: Piraten, wilde Monster (eines der Lieblingsbücher meiner Kinder ist der Klassiker von Maurice Sendak “Wo die wilden Kerle wohnen”), Roboter, Drachen usw.
Kinderbücher sind auch ganz oft eine Inspirationsquelle – die zuckersüßen Hasen- und Katzen-Mädchen-Puppen, die ich momentan recht viel nähe und die sehr beliebt sind, wurden ursprünglich durch den Max aus “Wo die wilden Kerle wohnen” inspiriert, der ein Wolfskostüm trug.
Anregend finde ich auch die wunderbaren Zeichnungen von Ida Bohatta, Sibylle von Olfers – aber auch Mangas, Kinderzeichnungen usw.
Für Deine Figuren nutzt Du zum Teil aussergewöhnliche Muster und Stoffe. Wie kommst Du darauf – gehst Du in Läden und kaufst diese für eine Figur oder kaufst Du sie und hast danach die Einfälle zur Figur?
Woher beziehst Du die Stoffe?
Tatsächlich achte ich sehr darauf, ungewöhnliche Stoffe zu verwenden. IKEA bietet zwar auch immer wieder schöne und außergewöhnliche Stoffe – aber die werden dann von so vielen Leuten verwendet, dass ich meistens verzichte (obwohl ich die Stoffe für Anfänger ausgesprochen empfehlen kann, denn sie lassen sich sehr gut verarbeiten).
Ich kaufe meine Stoffe meistens im Internet, viele sind aus den USA oder auch Japan und Großbritannien. In Berlin gibt es zudem einen schönen und außergewöhnlichen Stoffladen: Frau Tulpe, dort gibt es auch gute Nähkurse.
Und mal sind die Stoffe zuerst da – mal kaufe ich extra für eine Idee. Das ist ganz unterschiedlich.
Du nutzt zum Vertrieb nicht wie man es vermuten würde eBay sondern dawanda – einen Marktplatz, auf dem man handgefertigte Produkte kaufen und verkaufen kann. Wie bist Du auf die Plattform aufmerksam geworden?
Ich kenne dawanda eigentlich von Anfang an, weil ich Social Shopping [Erklärung] als Konzept an sich interessant fand (ich bin Designerin und Konzepterin für
Neue Medien). Ich kannte vorher schon etsy [Erklärung], das ja zunächst lediglich ein eCommerce-System für Kreative war und sich dann zur Social Shopping-Plattform entwickelte und das Vorbild für dawanda ist. Da etsy in erster Linie den nord-amerikanischen Markt abdeckt, fand ich dawanda als deutsche/europäische Alternative natürlich wunderbar.
Was ist der Vorteil von dawanda?
Ebay fände ich als Marktplatz für meine Sachen nicht gut – auch wenn manche Kreative ebay ganz gerne nutzen.
Ich finde die Social Shopping und -Networking-Idee hinter dawanda sehr gut.
So eine Plattform bietet viele Möglichkeiten der Inspiration, des Austausches und auch der Zusammenarbeit von Kreativen. Und hier findet man eben auch wirklich nur Kreative – anders als bei ebay, das ja wirklich nur eine Verkaufsplattform und nichts weiter ist.
Würde ich meine eigenen Produkte bei dawanda verkaufen wollen, welche Tipps könntest Du mir mitgeben?
Mach’ schöne – aber auch wirklich ehrliche Fotos! Also bitte nicht an den Fotos rumretuschieren und möglichst das Produkt von vorne, hinten, oben,
unten, mit allen wunderschönen Details, aber auch Macken und Kanten fotografieren – denn sonst ist die Enttäuschung beim Kunden groß und das
Ganze macht keinen Spaß mehr.
Beschreibe deine Sachen klar und eindeutig, benenne verwendete Materialen, Größe, spezielle Eigenheiten des Produktes (meine Sachen sind z.B. fast immer babysafe und haben keine verschluckbaren Kleinteile an sich – ein Detail, das vielen Käufern wichtig ist)…
Und weil dawanda Social Shopping ist und man eben etwas Besonderes, ein handgemachtes Original kaufen möchte, ist es schön, wenn ein Produkt noch eine kleine Geschichte hat und dadurch eine spezielle persönliche Note bekommt: Warum hast Du ausgerechnet diesen Schnitt für den Rock gewählt? Was ist an der Farbkombination besonders schön? Und was ist Dir vielleicht passiert, was Dich zum Nähen des kleinen Stoff-Affen inspirierte?
Denn die Darstellung des Ganzen ist eben kein unwichtiger Punkt – man kann die wunderschönsten Sachen herstellen, aber wird sie nie verkaufen, wenn man die Leute nicht darauf aufmerksam macht, weil man nur ein verschwommenes, dunkles Foto einstellt und man gerade die nötigsten Angaben zum Produkt schreibt.
Vielen Dank für das Interview!
Suse Bauers Label “revolzZza” findet man hier im Internet, eine Galerie ihrer Arbeiten kann man hier ansehen und ihre kaufbaren Arbeiten findet man bei dawanda hier.

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