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Anne Liebler ist die hobbyschneiderin.net

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Egal ob Modellbau, kreatives Gestalten oder Briefmarken – es gibt für alle Hobby-Bereiche zahlreiche und erfolgreiche Foren. Wir stellen diese und die Macher vor. Heute: Anne Liebler mit hobbyschneiderin.net

Anne Liebler ist die hobbyschneiderin.net

Wenn es ein Forum für kreatives Gestalten in Deutschland gibt, dann ist es das von Anne Liebler. Die 48-Jährige betreibt die Website und das Forum hobbyschneiderin.net. Seit 2001 und mit unbeschreiblichem Erfolg. Obwohl, beschreiben kann man den Erfolg, ja sogar beziffern. Aber der Reihe nach.

hobbyschneiderin_240Vor 48 Jahren wurde Anne Liebler in Pirna geboren. Heute, nachdem sie quasi einmal quer durch Deutschland gezogen ist und unter anderem in Stralsund lebte, wohnt die vierfache Mutter in Aachen. Als sie im Erziehungsurlaub war, keimte in ihr eine Idee. „Ich wollte die Zeit zu Hause nicht nur für die Kinder verbringen, sondern suchte eine ernsthafte Beschäftigung“, berichtet Anne Liebler. Also warf sie all ihre Kenntnisse in die Waagschale. Und das sind nicht wenige. In Pirna hatte sie sich bereits zu DDR-Zeiten mit der künstlerischen Verarbeitung textiler Stoffe beschäftigt und auch Arbeitsgemeinschaften geleitet. Das Nähen und Stricken blieb ihr Hobby. Später arbeitete sie unter anderem im Sozialamt, kommunizierte dort viel mit Menschen. „Also legte ich Hobby und Kommunikation zusammen und nutzte die Möglichkeiten, die mir das Internet bot“, sagt sie.

Aus ihrem Forum, das sie von Anfang an auf der Domain hobbyschneiderin.net betreibt, entwickelte sich sehr schnell eine lebendige Plattform. „Ich war selbst erstaunt, in welchem Tempo das ging. Immer mehr Nutzer meldeten sich an, es wurde diskutiert und gefachsimpelt. Diese Entwicklung war auf jeden Fall nicht zielgerichtet. Als ich aber merkte, dass nach so einem Forum gesucht wurde, habe ich auch fleißig daran gearbeitet.

Eine Idee, die auch dem Verlag Aenne Burda gefiel. Der Verlag mit dem Namen von Zeitschriftenverlegerin und „Königin der Mode“ plante zu diesem Zeitpunkt gerade eine neue Website mit Community-Anbindung. Den Burda-Mitarbeitern gefiel, was Anne Liebler auf die Beine stellte und verpflichtete sie als Forenbetreuerin. Noch heute ist sie für Burda freiberuflich tätig, gibt Tipps und knüpft ein soziales Netz, weiß immer, wer auf seinem Gebiet der oder die Beste ist.

Auch mit Händlern und der Industrie arbeitet die Hobbyschneiderin zusammen. „Gerade die Industrie, also die Hersteller, haben die Erfahrung machen müssen, dass viele ihrer tollen Produkte gar nicht beim Verbraucher ankommen. Und wenn doch, dann wissen die wenigsten, was man mit ihnen machen kann. Hier helfe ich und erkläre die Dinge, schreibe Artikel darüber“, erzählt sie und vergleicht es mit einer Messe: „Eigentlich mache ich das, was auf einer Messe passiert, nur eben virtuell und 24 Stunden am Tag.“

Ihr eigenes, geknüpftes, soziales Netz funktioniert inzwischen so gut, dass sie sich im Forum selbst immer mehr als Mittlerin sieht. „Ich habe ein gutes Personengedächtnis und weiß zum Beispiel, dass ich eine Textilchemikerin im Forum habe, die genau erklären kann, warum sich rote Textilien beim Bügeln verfärben. Es ist ein großes Geben und Nehmen geworden. Und genau das reizt mich an der Arbeit“, meint sie. Nahezu von Anfang an mit dabei ist ihr Partner Peter Schaefer. Er und Kollege Michael Abel kümmern sich um die Technik und teilweise auch um das Inhaltliche. „Wir sagen immer, wir können nicht für gutes Wetter sorgen, wohl aber für ein angenehmes Klima“, so Anne Liebler.

Wichtig ist für sie auch, die Benutzer ihres Forums persönlich zu treffen. „Ich will die Leute sehen, ihre Sprachmelodie hören, die Lachfalten erahnen, die sie womöglich beim Schreiben eines lustigen Beitrages hatten. Solche Treffen sind ganz entscheidend, um aus den Namen Persönlichkeiten werden zu lassen. Und wenn es dazu dient, einzuschätzen, wen man gar nicht mag, ist das auch ein Gewinn“, erläutert sie.

Kennenlernen kann man Anne Liebler während der modell-hobby-spiel in Leipzig, wenn sie am Stand des Kreativ- und Strick-Cafés in Halle 2, am Stand H50/J51 zugegen sein wird. „Ich finde die Arbeit, die dort gemacht wird und das Ambiente des Ladens wunderbar. Da steckt ganz viel Potenzial drin. Der Kommerz tritt hier in den Hintergrund. Nicht selten sind die Damen dort auch Ansprechpartner für ganz alltägliche Probleme. In der heutigen Zeit denken alle, dass die Do-it-yourself Welle gerade beginnt und Dawanda wird als ein Beleg genommen,wie viele wieder kreativ tätig sind. In vielen Presseartikeln kann man das finden und immer wieder wird vermittelt, dass diese Bewegung aus Amerika kommt. Dabei hat gerade Leipzig, die Stadt der modell-hobby-spiel – mit dem Buchverlag für die Frau einen ganz wunderbaren Verlag, der noch heute Handarbeitsbücher herstellt. Das haben nur die meisten vergessen“, gibt sie zu bedenken.

Das Internet wäre eine sehr gute Gelegenheit, die reale Welt mit der virtuellen zu verbinden. „Das Internet ist das Medium für die Frau, sage ich immer. Frauen sind kommunikativer. Wenn sie allerdings in beruflichem Stress stehen oder – was noch schlimmer ist – keine Arbeit mehr haben oder aus jener durch Erziehungszeiten oder auch Pflegezeiten für Angehörige ausgestiegen sind, pflegen sie irgendwann ihr soziales Netzwerk nicht mehr. So geben sie sich demütig ihrem Schicksal hin. Sie wollen niemanden stören und der Alltag (be)kleid(t)et sie – in Jogginghose und Schlabber-Shirt. Das Forum hat den Vorteil, dass man wieder eine Verbindung mit Anderen bekommt. Und irgendwann raus kommt aus der Demut. Dann will man vielleicht den anderen Mitgliedern zeigen, was man schickes genäht hat. Macht sich selbst wieder zurecht für das Foto und trifft die virtuellen Kontakte ganz real auf einer Messe“, beschreibt sie ein mögliches Szenario.

Mit ihren 51.000 Mitgliedern, die bereits über 100.000 Einträge und eine Millionen Antworten verfasst haben, vereint sie alle sozialen und beruflichen Schichten. Adlige Frauen, Richterinnen und Leute ohne Bildung würden gemeinsam kommunizieren. „Es gibt keine Barriere, die Mitglieder sind über die Themen miteinander verbunden. Oft entstehen daraus wirklich Realkontakte. Das ist für mich sehr wichtig. Es wird ja nicht nur übers Stricken und Nähen erzählt. Das menschelt ganz schön, wie man sagt. Es gibt ganz viele Tage, an denen ich wahnsinnig dankbar dafür bin, was ich hier machen darf.“

 

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