Von Wollschweinen und Kampfwürsten
von Daniel Große am September 21st, 2009, 21:59 Uhr
Strickpullis, Schals und Handschuhe. Wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, löst schon die bloße Erinnerung ein Kratzgefühl an Hals und Händen aus. Glücklicherweise gibt es noch Menschen, die mehr stricken als rauhe Pullover. Wir haben so einen Menschen gefunden: Pia Ziefle.
Zugegeben, wir als männliche Blogautoren können mit dem Hobby Stricken nicht all zu viel anfangen. Aber glücklicherweise gibt es ja Frauen, die uns von diesem offenbar wunderbaren Hobby etwas erzählen können. Pia Ziefle etwa. Die Bloggerin mit Hang zu lustigen Gedichten, Teilzeit-Journalistin und dreifache Mutter lebt in einem kleinen 700-Seelen-Dorf bei Tübingen. Und strickt dort Wollschweine und Kampfwürste.
„Zum Stricken gekommen bin ich Ende der 80er Jahre. Ich war eine der Schülerinnen, die es wohl in jeder Schulklasse gab. Die, die hinten in der letzten Bankreihe saßen und heimlich unter dem Tisch gestrickt haben“, sagt die heute 35-Jährige. Jetzt, mit drei Kindern, hat sie das Stricken wieder entdeckt und konzentriert sich dabei auf Schweine und lange Würste. Letztere seien multifunktionell einsetzbar. „Eigentlich sind das so Zugluftstopper, die man vor Fenster oder Türen legen kann. Meine Kinder nutzen sie aber auch gern zum Toben. Man kann damit prima um sich schlagen, ohne jemanden zu verletzen. Darum auch der Name Kampfwürste“, lacht Pia. Man kann die Würste aber auch als Kuscheltiere für Babys oder etwa als Buchstütze zum leichteren Lesen im Bett verwenden.
Auf die Idee, auch Schweine zu stricken, kam Pia, weil sie „recht einfach zu stricken sind“, wie sie sagt. Außerdem kämen die Strickschweine gut bei Kindern an. „In den Spielzeugabteilungen gibt es auch meist keine Kuschelschweine. Löwen, Eisbären, Robben und so weiter finden sich, aber eben keine Schweine. Ich vermute also, dass es schweinemäßig Bedarf gibt“, scherzt sie.

Bei den Materialien setzt sie auf rein ökologisch produzierte Naturfasern. „Kinder nehmen ja quasi alles in den Mund, darum sind die von mir verarbeiteten Materialien entweder pflanzlich oder gar nicht gefärbt“, erzählt Pia. Die Wolle bezieht sie vom benachbarten Öko-Bauern. Beim Verstricken gebe es zwar keine Unterschiede zwischen naturbelassener und chemisch behandelter Wolle: „Aber das Grundgefühl ist einfach an anderes. Ich finde es einfach schöner, wenn die Wolle nach Schaf riecht und nicht nach Fernost.“
Alle Produkte, die Pia auch verkauft, entstehen in Handarbeit. „Es gibt ein paar Tricks, so habe ich mir beispielsweise Schablonen gebaut. Aber eine Schweinestrickmaschine steht noch nicht bei mir und ist auch nicht in Planung“, lacht sie. Das Stricken mache einen Großteil ihrer Freizeit aus. „Das ist etwas, das man gut nebenher machen kann. Den Kinder gefällt es und sie setzen sich meist zu mir, um mitzumachen oder zu basteln“, sagt Pia.
Das Thema Handarbeit ist natürlich auch auf der modell-hobby-spiel vertreten. So wird auf der Bühne ein Schnellstrick-Wettbewerb mit Riesennadeln stattfinden. Zudem gibt es genähte Spiele zum Ausprobieren sowie allerlei Möglichkeiten, selbst tätig zu werden. Etwa in Halle 2 beim Leipziger Kreativ- und Strickcafe.

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