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Ein Jahr mit den Danbos

Dieser Artikel behandelt die modell-hobby-spiel 2010. Aktuelle Artikel finden Sie hier.

Martin Stein fotografiert. Seit letztem Oktober begleiten den Leipziger seine Kamera und zwei kleine Danbos. Hobby360 sprach mit Martin über seine Erfahrung und die beiden außergewöhnlichen Begleiter.

Ein Jahr mit den Danbos

Erst im Oktober letzten Jahres hat Martin Stein zum ersten Mal eine Spiegelreflex-Kamera in der Hand gehabt, und schnell gemerkt: Das ist komplett anders als Kleinbildkameras. “Ich habe mich aufgrund der Kamera einfach mit der Technik beschäftigt und habe in den letzten Monaten viel gelernt – und durchaus auch Geld ausgegeben. Man merkt schnell, dass Zoom-Objektive zwar praktisch sind, aber erst durch Objektive mit Festbrennweite habe ich wirklich gelernt gute Bilder zu machen. Wenn man nicht zoomen kann konzentriert man sich mehr auf das Motiv und die Einstellungen. Die Einschränkung auf einen Abstand zum Bild bündelt die Kreativität.”

Vor dieser Feststellung, gibt Martin zu, experimentierte er natürlich mit dem Standard-Objektiv, dass beinah jeder Spiegelreflexkamera beiliegt und den Brennweiten-Bereich von 18 bis 55 Millimeter abdeckt. “Irgendwie erreichte ich damit aber oft nicht die bildlichen Effekte, die ich eigentlich wollte – deshalb griff ich recht schnell zu einer Festbrennweite.

Um sich tatsächlich mit dem Fotografieren zu beschäftigen nahm sich Martin etwas vor: “Ich wollte einfach etwas ausprobieren – jeden Tag etwas mit der Kamera machen, und nicht Abends einfach in das Sofa fallen.” So kam der Mediengestalter auf die Idee eines 365 Tage-Projekts. Das Vorhaben: Jeden Tag ein neues Foto, dass nicht nur schick ist, sondern im Lauf des Jahres auch dokumentiert, was Martin lernt. Fehlte nur ein Aufhänger, etwas, das zwischen den kommenden 365 Tagen eine Verbindung herstellt.

yotsubaDiese Verbindung fand Martin in zwei kleinen Figuren, die er auf einigen Bildern anderer Hobby-Fotografen im Internet entdeckt hatte: Danbos. Die Figuren entstammen der japanischen Zeichentrick-Serie “Yotsuba“, in welcher sich die Hauptfigur Miura ein lebensgroßes Roboter-Kostüm aus Pappe fertigt (daher auch der Name, “Danbo” bedeutet Pappe) und damit unter Menschen geht. “Ich bin eigentlich kein Freund von Spielfiguren”, erzählt Martin, “aber die Beiden haben trotz ihrer geringen Mimik große Ausdrucksmöglichkeiten. Sie können traurig, fröhlich oder beeindruckt sein, obwohl sie immer gleich schauen. Es ist einfach komplett von der inszenierten Szene abhängig.”

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Die Pappkameraden wurden – entgegen des Namens aus Plastik gefertigt – eine Zeit lang von der japanischen Niederlassung des Internetkaufhauses amazon verkauft. Mit etwas Glück findet man die Modelle noch via eBay – der schnellste Weg für denjenigen, der seine Liebe nun zu den Danbos entdeckt hat, ist jedoch: Selbst basteln. Das ist dank der einfachen Form der Danbos – sie bestehen nur aus Rechtecken – recht einfach und sollte mit etwas Geschick schnell erledigt sein. Auf diversen Seiten im Internet gibt es Anleitungen oder Bastelbögen für einen Danbo.

danbo_duschtDoch zurück zu Martin. Was hat er auf seiner nun fast ein Jahr dauernden Reise mit den beiden Danbos erlebt und gelernt? “Ich habe viel gelernt, und vor allem viel Geld für Technik und neue Objektive ausgegeben”, lacht er. “Und so manche Fotoidee hat in ihrer Umsetzung doch etwas länger gedauert als zuerst angenommen. Zum Beispiel das Foto, auf dem der Danbo duscht: Dafür haben meine Freundin und ich mehr als eine Stunde gebraucht. Sie mit der Dusche über dem Danbo in der Wanne. Ich davor auf der Suche nach dem besten Licht und Aufnahmewinkel.”

Seine Inspiration holt sich der Leipziger aus Alltagsszenen und natürlich auch von anderen Fotografen: “Ich schaue mir viele Bilder auf flickr.com an zur Inspiration. Und ich sehe mir die EXIF-Daten der Fotos an, um zu sehen, welches Objektiv, welche Brennweite und so weiter der Fotograf genutzt hat. Ich versuche es dann nachzustellen und lerne dadurch.”

Die EXIF-Daten hängt eine Kamera beim Erstellen eines jeden Bildes als Datensatz an das Bild. Auf Fotoplattformen wie flickr.com oder durch spezielle Programme lassen sich diese Daten einsehen. In ihnen sind neben Datum vor allem Informationen zur Kamera, dem verwendeten Objektiv und den getroffenen Einstellungen hinterlegt. So lässt sich der fotografische Effekt, Licht- und Objektivverhältnisse leicht nachvollziehen und nachstellen.

Martin hat sich in den zurückliegenden Monaten ausführlich mit dem Thema Fotografie beschäftigt. Welchen Tipp hätte er sich gern zum Start seines Fotografie-Projektes von einem erfahrenen Fotografen gewünscht? “Auf die Fokus-Punkte zu achten”, sagt er nach einigen Sekunden Überlegung. “Das Motiv auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren. Man sollte die Fokus-Automatik ausschalten und sich ausprobieren und selbst entdecken.” Und dann schaut er auf die Danbos, die auf dem Kaffetisch vor uns stehen, und ergänzt: “Und: Nicht krass frontal blitzen, sondern einen externer Blitz mit Diffussor nutzen, um die Kanten nicht zu hart zu machen.” Ein Diffusor streut das Licht des Blitzes nochmals, wodurch das frontale Ausleuchten des Foto-Objekts nicht so hart ausfällt. Allen Modellbau-Fotografen, die ihr Modell fotografieren wollen, empfiehlt Martin außerdem die Anschaffung eines Ringlichtes: “Damit kann man ein Modell perfekt ausleuchten und kommt ohne Blitz aus!”

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Zum Schluß hat Martin noch einen Buchtipp für alle Interessierten: “Digitale Fotografie – Das große Buch” von Scott Kelby sei “das einzige Buch, bei dem ich zum Thema Fotografie wirklich etwas gelernt habe”, erzählt er. Das Buch zeigt verschiedenste Fotoszenarien auf und erklärt, mit welchen Einstellungen an der Kamera man in genau diesen Momenten das beste Bildergebnis erreicht. So kann man sich verschiedene Einstellungen merken, lernt aber auch mit einem ganz praktischen Ansatz die Technik der eigenen Kamera kennen.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Martin Stein. Alle Danbos auf seinem Flickr-Account.

 

Ein Kommentar

  1. [...] Jahr mit den Danbos” schrieben wir vor einem Monat und stellten damit das ungewöhnliche Fotoprojekt von Martin Stein vor. Ein Jahr [...]

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