Herr Pütz, Sie sind ein wissbegieriger Journalist und Tüftler. Wann fing Ihre Begeisterung für Wissenschaftsthemen an und was genau macht diese Begeisterung aus?
Das hat schon als Kind angefangen. Meine Neugier hat mich getrieben. Mir sagte damals jemand, es gibt Dinge, die wird man nie komplett verstehen. Die Elektrizität etwa. Ab dem Zeitpunkt begann ich, bockig zu werden. Ich wollte allen zeigen, dass man doch alles verstehen kann. Und so fing ich an, zu basteln. Radios zum Beispiel. Das Programm habe ich dann mit alten Wehrmachtskopfhörern gehört. Das hat mich sehr interessiert.
Am 21. September werden Sie 74 Jahre alt. Nach wie vor arbeiten Sie und zeigen auf Ihren Pützmunter-Shows naturwissenschaftliche Experimente. Was treibt Sie an?
Es sind zwei Antriebe. Zum einen die Lust. Aber nur so viel, dass ich morgen auch noch Lust haben kann. Der zweite ist der Überlebenswille. Die meisten Rentner sterben sehr schnell, weil sie nicht wissen, dass es besser ist, sich nicht zur Ruhe zu setzen. Und das meine ich sowohl körperlich wie auch geistig. Ich mache auch heute noch Sport und habe auf meine alten Tage gelernt, mit dem Computer umzugehen. Ich bin ein Ruhestandsverweigerer, vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Natürlich weiß ich trotzdem, wie Entspannung funktioniert. Ich komme beispielsweise gerade von einem fünfwöchigen Urlaub in Italien.
Sie vereinen die Begeisterung für viele Hobbys. Wenn Sie nur eines nennen könnten, worauf würden Sie sich konzentrieren?
Eigentlich müsste ich ja jetzt sagen, meine Familie und ich sind mein Hobby. Aber man kann es wohl darauf zusammenfassen, die Menschen zu informieren. Das war schon immer meine Absicht. Ich habe damals beim WDR die Redaktion Naturwissenschaft aufgebaut. Mir hat da keiner gesagt, was ich zu tun oder zu lassen hab. Ich habe aber immer eines gewusst: Wissen darf niemals Herrschaftswissen werden. Jeder hat das Recht darauf, komplizierte Dinge zu verstehen. Ich wollte nie die Großkopferten wie meine Professoren beeindrucken. Mir ging es immer darum, dem normalen Menschen zu zeigen, wie spannend und interessant Wissenschaft sein kann. Die Hobbythek habe ich damals als trojanisches Steckenpferd benutzt. Die Menschen, die meine Sendung einschalteten, hatte ich bereits als interessiertes Publikum gewonnen. Und wenn sie einmal bei mir waren, konnte ich ihnen auch gleich komplexe Zusammenhänge erklären.
Wenn Sie für jeden ein Recht auf Information fordern, wie stehen Sie dann zu freien Wissensdatenbanken wie etwa Wikipedia?
Ich halte sehr viel vom Brockhaus. Natürlich kann man sich auch Dinge über Wikipedia aneignen. Man sollte nur nicht alles glauben, was da steht oder annehmen, das wäre alles richtig. Ich schaue da selten rein, ich weiß gar nicht, was da über mich steht…
Mitte Oktober bekommen Ihre Frau und Sie ein Mädchen. Mit welchem Hobby für Ihre Tochter wären Sie so richtig glücklich?
Es ist das erste Mal, dass die Nachfahren meiner Eltern ein Mädchen zeugen. Ich habe bisher zwei Jungs, der eine ist 50 und lebt in Straßburg, der andere ist zehn Jahre alt. Nun also kommt ein Mädchen dazu, worüber ich sehr glücklich bin. Ich möchte meine Kinder nicht so erziehen, dass sie das tun, was ich mache oder sich dafür interessieren. Allerdings würde ich mich freuen, wenn sie mal einen technisch-wissenschaftlichen Beruf erlernt. Wir haben mittlerweile einen extremen Mangel an Fachkräften in diesem Bereich. Deutschland braucht wieder Werte, die man exportieren kann. Allein vom Bürojob wird nichts, dann holen uns die Asiaten die Butter vom Brot.
Sie sind Schirmherr der modell-hobby-spiel. Welchen Stellenwert hat für Sie die modell-hobby-spiel und für wie wichtig halten Sie Hobby- und Bastelmessen allgemein?
Früher hieß es, “Wo man singt, da lass dich nieder”. Man könnte das Gleiche über das Spielen sagen. Spielen ist für Kinder sehr wichtig. Sie gewinnen die dritte Dimension hinzu, die ihnen auch ein 3D-Kino nicht bieten kann. Messen und speziell die Freizeitmessen sind sehr wichtig, um vor allem Kindern das Begreifen zu lernen.
Wie kann man Ihrer Meinung nach junge Menschen für das Basteln, Experimentieren und das Neugierigsein begeistern?
Das funktioniert über die Eltern. Sie haben die Verpflichtung, ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dazu gehört eben auch, dass sich Vater oder Mutter mit ihren Kindern hinsetzen und einfach anfangen.
Was fällt Ihnen zu Leipzig ein?
Ich war früher schon auf den Industriemessen zur DDR-Zeit und bin seitdem sehr oft hier gewesen. Leipzig und die Messe sind wunderbar. Und seit der politischen Wende hat sich viel getan. Menschen brauchen Freiheit, sonst kann keine Kreativität entstehen. Und diesen Wandel spürt man.
Interview: Daniel Große. Fotos: Privat