Airbrush bedeutet wörtlich übersetzt Luftpinsel, allerdings hat sich das deutsche Wort nie durchgesetzt. Durch den starken Einfluss aus den USA im Airbrush-Bereich, vor allem in den letzten 20 Jahren, hat sich der englische Begriff auch im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert.
Airbrush im engeren Sinne bezeichnet Spritzgeräte, mit denen sich flüssige Farben fein und gezielt versprühen lassen. Die Geräte werden durch einen Luftschlauch an einen elektrischen Kompressor angeschlossen, der die Luft für die Zerstäubung liefert. Die Farbe wird über einen oben aufgesetzten Becher (Fließsystem) oder einen unterhalb des Gerätes befestigten Behälter (Saugsystem) zugeführt. Im Gegensatz zu Spritz- oder Lackierpistolen verfügen Airbrush-Geräte meist über sehr feine Düsen, je nach Einsatzbereich etwa zwischen 0,15 und 0,6 mm. Farb- und Luftzufuhr sind über einen Hebel regulierbar und werden an der Düsenspitze innerhalb des Gerätes zusammengeführt.
Eigenschaften
Im Gegensatz zu allen anderen Maltechniken berührt das Airbrush-Gerät beim Farbauftrag nie den Untergrund. Dies ermöglicht das Bemalen jeglicher Materialien und Oberflächen. Die Airbrush-Technik zeichnet sich durch einen besonders gleichmäßigen, schnellen und dünnen Farbauftragbaus, der bei richtiger Anwendung und je nach Material auf der Oberfläche sofort trocken ist. Diese Eigenschaften ermöglichen die Gestaltung von weichen Farbübergängen und Schattierungen, die ein Motiv besonders realistisch wirken lassen. Mit Hilfe von Maskierungs- und Schablonentechniken lassen sich aber auch sehr einfach harte Kanten oder sich wiederholende Muster erstellen.
Einsatzgebiete
Die Technik hat ihren Ursprung vor über 120 Jahren und wurde damals zum Kolorieren und Retuschieren von Fotos eingesetzt, weil sie das Auftragen einer hauch dünnen, transparenten Farbschattierung ermöglichte. Von den zwanziger bis in die frühen neunziger Jahre wurde die Technik – quasi als Vorläufer der heutigen Computergrafik-Software – vor allem als Werkzeug für technische und fotorealistische Illustrationen und Werbegrafiken eingesetzt. In der freien Kunst wird Airbrush bis heute vor allem im Bereich des Realismus eingesetzt, um fotorealistische Effekte zu kreieren.

Bike-Bemalung durch Airbrush-Künstler
Parallel entwickelte sich seit den fünfziger Jahren der aus den USA stammende Trend der Fahrzeugbemalung und die Airbrush-Anwendung im Modellbau. In den letzten zehn Jahren entfaltete sich die Airbrush-Technik darüber hinaus zunehmend in der Kosmetik Branche. Jüngst erlebt sie einen Aufschwung im Zuge der HDTV-Fernsehtechnik, die ein noch feiner pigmentiertes und ebenmäßiges Make-up verlangt. Aber auch für die Kreation von Special Effects Make-ups in der Maskenbildnerei, “falschen” Tattoos oder Bodypaintings für Events und Marketingaktionen ist Airbrush ein beliebtes Gestaltungsmittel. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Gestaltung von Fingernägeln (Nail Art), bei der Airbrush den normalen Pinsel auf kleinster Fläche sinnvoll ergänzt.
Weitere Anwendungsbereiche der Airbrush-Technik sind unter anderem die Porzellan- und Puppenmalerei sowie die Patisserie zur Verzierung von Torten und Pralinen mit Schokolade und Lebensmittelfarben.
Materialien
Je nach Anwendungsgebiet werden zum Airbrushen unterschiedliche Materialien eingesetzt: Airbrush-Geräte unterscheiden sich grundsätzlich durch ihre Farbzufuhr (Fließ-/Saugsystem), durch verschiedene Düsen und Nadelgrößen (ca. 0,15-0,6 mm) und durch ihre Bedienbarkeit:
- Single Action = Einfache Hebelfunktion (Herunterdrücken für Luft + Farbe)
- Double Action = Doppelte Hebelfunktion (Herunterdrücken für Luft, Zurückziehen für Farbe)
- Gekoppelte / Kontrollierte Double Action = Gekoppelte / Kontrollierte Hebelfunktion (Zurückziehen für Luft + Farbe)
Grundsätzlich lassen sich alle dünnen Flüssigkeiten mit Airbrush versprühen. Es gibt jedoch spezielle Airbrush-Farben, die über besondere Fließeigenschaften verfügen. Je nach Einsatzgebiet unterscheidet man zwischen speziellen Airbrush-Farben zur Verwendung auf Papier und Leinwand, auf Metall und Kunststoff, Textilien oder für den Körper.
Kompressoren unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Leistungsstärke, Gewicht und Lautstärke. Im Gegensatz zur Lackierindustrie verwendet man in der Regel spezielle Airbrush-Kompressoren, die klein und leise sind.
Grundsätzlich kann die Airbrush-Technik auf jedem Untergrund eingesetzt werden. Gegebenenfalls sind spezielle Vorbehandlungen der Oberfläche notwendig. Bei Papier empfiehlt sich spezielles Airbrush-Papier, das den typischen Airbrush-Arbeitstechniken wie Radieren und Kratzen sowie dem Arbeiten mit klebenden Maskierungen standhält.
(Quelle: Was ist Airbrush – www.airbrushfachverband.de)
Der Airbrush-Fachverband e.V. ist ein Zusammenschluss von Firmen, die sich mit Produkten oder Dienstleistungen der Airbrush-Technik beschäftigen. Zu den Mitgliedern zählen Vertreter der herstellenden Industrie und des Groß- und Einzelhandels, aber auch Verlage und Schulen. Als zentraler Ansprechpartner für die Airbrush-Branche steht der Airbrush-Fachverband e.V. allen Interessierten für Fragen und Informationen zum Thema Airbrush sowie für die Suche nach Händlern, Produkten, Schulungsangeboten oder Künstlern jederzeit zur Verfügung.
Fotos: Airbrush-Fachverband e.V.