Wie kamen Sie zum Berufsbild Spieleautor?
Inka Brand
Ganz klar über das Spielen. Wir waren gemeinsam auf einem Spielewochenende, dass der KOSMOS-Verlag einmal jährlich veranstaltet. Neben der Möglichkeit, zahlreiche Neuheiten auszuprobieren, wurde auch ein Workshop zum Thema Prototypen angeboten. Dort hatten wir die Möglichkeit, Neues zu testen und zu bewerten. Wir waren sehr angetan von den vielen kreativen Ideen, die in den selbst gestalteten Boxen steckten. Auf der Heimfahrt unterhielten wir uns ausgiebig darüber und beschlossen für uns, dass wir es unbedingt auch einmal mit unserem Namen auf eine Schachtel schaffen wollen. Wir brauchten nur noch eine Idee, die Verlag und Spieler gleichermaßen begeistern sollte. Es dauerte allerdings sechs lange Jahre, bevor unser erstes Werk veröffentlicht wurde.
Woher nehmen Sie Ihre Ideen für Spiele?
Markus Brand
Das ist ganz unterschiedlich. Im Kinderspiel-Bereich sind die eigenen Kinder die Ideenlieferanten. Oftmals genügt es, sie im freien “Lauf” zu beobachten. Unser Sohn beispielsweise spielte eines Tages einen “Agenten”. Er bewaffnete sich mit einem Taschenspiegel und beobachtete uns aus seinem Zimmer heraus. So ist unser Spiel Burg der 1.000 Spiegel entstanden. Hier müssen die Teilnehmer mittels Spiegelung Gegenstände finden. Im Familien- und Erwachsenenspiel geben oft Themen den ersten Gedanken-Anstoß. Zudem sind wir in der glücklichen Lage, auch Auftragsarbeiten gestalten zu dürfen. Hier sind dann Thema und Materialumfang oftmals vorgegeben und wir versuchen, einen passenden Entwurf für die angestrebte Zielgruppe zu entwickeln.

Inka und Markus Brand - Spieleautoren von Monsterfalle
Wie entstand ihr jüngstes Werk Monsterfalle?
Inka Brand
Zunächst gab es den groben Einfall, dass die Hauptfigur nicht vom Spieler berührt werden darf. Der Rest ergab sich dann im Gespräch, beim Austesten und Basteln des Prototypen. Immer neue Ideen flossen mit ein, bis letzten Endes unsere Monsterfalle im 3D-Look fertig war.
Was unterscheidet die Monsterfalle von anderen Spielen, die sie bereits entwickelt haben?
Markus Brand
Die Monsterfalle-Regeln sind so einfach, dass es vermutlich genügt, sich den Inhalt der Schachtel anzuschauen, um gleich loszulegen. Durch den dreidimensionalen Aufbau und die wunderschöne Gestaltung des Materials hat es einen enorm hohen Aufforderungscharakter und bereitet Klein und Groß gleichermaßen Freude. Bei Kinderspielen legen wir immer Wert darauf, dass es auch Erwachsenen Spaß macht und sie sich nicht zum Spiel mit ihren Kindern zwingen müssen.

Spieleschachtel von Monsterfalle
Wie sieht die Zusammenarbeit mit Spielegrafikern aus?
Inka Brand
Die Spielegrafiker und Spieleillustratoren arbeiten mehr mit den betreuenden Redakteuren als mit uns. In der Regel haben wir, was Thema, Titel und Gestaltung eines Spiels angeht, nicht viele Entscheidungsmöglichkeiten. Wir liefern die Grundidee und stehen während des Entwicklungsprozesses beratend zur Seite. Die eigentlichen Entscheidungen fällt die Redaktion des entsprechenden Verlages. Und das ist auch gut so. Die Redakteure haben oft die besseren Ideen, was den Titel angeht. Sie sind es auch, die dann Grafiker und Illustratoren briefen und ihre Vorstellungen zur Gestaltung von Cover und Material mitteilen. Natürlich sind wir in diesen Prozess eingebunden, werden ständig auf dem Laufenden gehalten und sehen die Fortschritte.
Wir testen auch das neu gestaltete Material auf seine Spielbarkeit, aber letzten Endes bleibt uns eigentlich nie viel mehr, als die anderen kreativen Köpfe, die an unseren Spielen mitarbeiten, immer wieder für ihre grandiose Arbeit zu loben. Ohne Michael Menzel (Illustration), Michaela Kienle (Grafik) und Sandra Dochtermann (Redakteurin) hieße Monsterfalle wohl immer noch Fruchtalarm und kleine hässliche Gartenzwerge würden auf einer Wiese Fallobst einsammeln, um es in den großen Korb zu schieben…
Haben Sie eine Testgruppe für Ihre Spiele?
Markus Brand
Ja, und darüber sind wir glücklich und dankbar. Jeden Montag kommen zwei befreundete Paare zu uns und testen alles, was man ihnen vorsetzt. Sie ertragen jeden, noch so langweiligen Prototypen und geben uns immer ein umfangreiches Feedback. Für die Kinderspieltests dürfen wir die Grundschule unserer Tochter und auch den ehemaligen Kindergarten unserer Kinder aufsuchen. In der Grundschule leiten wir zudem eine Spiele-AG, die es uns ermöglicht, auch hier ausgiebig mit den Kindern auszuprobieren.
Was ist ihr gemeinsames Lieblingsspiel? Was zeichnet es aus?
Inka Brand
Unser gemeinsames Lieblingsspiel ist tatsächlich Die Siedler von Catan. Zum einen, weil es wirklich toll ist und in Deutschland den Weg für eine neue Art von Spiel – das gehobene taktische Familienspiel – geebnet hat. Zum anderen hätten wir uns ohne Die Siedler von Catan nie so gut kennen gelernt, vermutlich nicht geheiratet und wären auch nie Spieleautoren geworden.
Vielen Dank für das Interview und viel Spaß bei der Jagd nach neuen Ideen!
Das Spiel Monsterfalle ist beim KOSMOS Verlag erschienen und für den Spielegrafikpreis GRAF LUDO in der Kategorie Beste Kinderspielgrafik nominiert. Am 30. September, dem ersten Tag der modell-hobby-spiel, werden die Sieger des GRAF LUDO in den Kategorien Kinderspielgrafik und Familienspielgrafik in Leipzig gekürt.
Fotos: Inka und Markus Brand